Zementwagen

„Mohrenkopf“ im Ablieferungszustand (Foto: Archiv RhB)

Grosse Bedeutung kam anlässlich der Kraftwerkbauten in den 50er Jahren den Zementtransporten zu. Nach Angaben kompetenter Firmen sollen bei Verwendung der früher üblichen Papiersäcke, neben dem grösseren Zeitaufwand, bis zu 10 % Verluste vorgekommen sein, sodass der Versand in geschlossenen Behältern allgemein vorgezogen wurde. Der Transportvorgang verläuft wie folgt:

Zur Beförderung von losem Zement von der pneumatischen Umladeanlage Landquart nach Ilanz (Kraftwerkbau Zervreila) wurden 1954 vier Silowagen eingesetzt. Die Silos befanden sich auf Fahrgestellen ehemaliger M-Wagen.

Der auf einem normalen Güterwagenuntergestell aufgesetzte Behälter von etwa 15 t Fassungsvermögen lässt sich aus einem darüberliegenden Silo mittels Schwerkraft füllen; am Umladeort wird von unten her Druckluft von etwa 2atü in den Behälter geleitet, wodurch sich die Zementladung auflockert, ins «Fliessen» gerät und durch eine angeschlossene Rohrleitung entweder in einen andern Silo oder bei Bedarf auch in einen andern Fahrzeugbehälter umgeblasen werden kann. Für das Umblasen ist mit einem Zeitaufwand von rund 1 min je t zu rechnen. Trotz der speziellen Einrichtungen ergibt sich bei diesen ca. 7.5 t schweren Fahrzeugen, von denen die Rhätische Bahn ebenfalls eine grössere Anzahl in früheren Jahren angeschafft hat, ein Verhältnis von 2 t wasserdicht geschützten, empfindlichem Ladegut zu nur 1 t Tara. Die Untergestelle stammen von Cattaneo, Giubiasco, und von den Flug- und Fahrzeugwerken FFA, Altenrhein, die Behälter nebst Zubehör (System Hermanns) von der MBA, Dübendorf.

Die Untergestelle dieser Wagen wurden so vorbereitet, dass sie ohne grosse Änderungen später für den Bau normaler Güterwagen (offene oder gedeckte) verwendet werden können.

Modernisierung des Zementwagenparkes

Die RhB besass einst 100 Zementwagen Uce 8001-8100, Baujahr 1955-1964. Alle 100 Wagen hatten ursprünglich behälter mit Entladesystem Typ „Hermanns“.

Die Verrohrungsanordnung war jedoch unterschiedlich. Die 76 Wagen Uce 8001-04, 8011-82, besassen das System „Umstellschlauch“ (A).

Die 24 Wagen Uce 8005-10, 8083-8100, besassen das System „Direkt-links/rechts“ (C).

Der intensive Einsatz dieser Wagen während Jahrzehnten hatte am Behälter- und Verrohrungssystem Korrosions- und Abriebschäden zur Folge, die Störungsanfälligkeit und der Unterhaltsaufwand stiegen an. es musste ein Ersatz oder Umbau ins Auge gefasst werden.

1985 haben die beiden Wagen Uce 8061 und 8062 neue Prototyp-Behälter System „STAG“, geeignet für verschiedene Transportgüter, erhalten.

1985/86 ist bei den 20 Wagen Uce 8011-8030 das störungsanfällige Verrohrungssystem „Umstellschlauch“ (A) durch das System „Umlenktopf“ (B) ersetzt worden. Die wieder stark angestiegenen Zementtransporte in den 80er Jahren (u. a. Ilanz I + II) machten eine Sanierung der restlichen störungsanfälligen Uce dringend nötig.

Das Entladesystem „Direkt-links/rechts“ (C) war bezüglich Betriebszuverlässigkeit schon immer besser als das System A, mit ihm werden auch die kürzesten Entladezeiten erreicht. Es ist, wie sich erneut zeigte, auch besser als das System B.

Man hat sich deshalb entschlossen, bis zur Sommersaison 1988 die restlichen 54 noch vorhandenen Wagen mit System A auf das System „Direkt-links/rechts“ (C) umzubauen. Die Kosten betrugen rund Fr. 700’000.– und es mussten rund 5400 Arbeitsstunden aufgewendet werden. Wo nötig wurden auch die Behälter saniert (Korrosionsschäden).

Der Zementwagenpark wurde 1991 nochmals um 10 Fahrzeuge erweitert. Die Bauart weicht stark von den älteren Zementwagen ab.  Diese neuen Wagen haben ein Fassungsvermögen von rund 34 m3 und sind vierachisg ausgeführt. Mit diesen Wagen war eine rationellere Versorgung der Vereina-Baustellen möglich.

Werkfotos

Fahrzeugfotos

Typenskizzen, Zeichnungen und Schemata

 

(Quelle: Rhätische Bahn AG, Archiv RhB, ZfW-Nachrichten, EA Nr. 1 Januar 1957)

(Sonstige Quellen: Franz Skvor, Gian Brüngger)