Umschaltgleis Pontresina

In den 1960-er traten erste Ideenvorschläge für eine bessere Verknüpfung des Stammnetzes mit der Berninalinie auf. Vorallem der zunehmende Güter- und Reiseverkehr verursachten in Pontresina diverse Rangierbewegungen. Bereits 1969 wurde eine Beschaffung von Zweisystemfahrzeugen geprüft, aber aufgrund von Platz- und Gewichtsgründen wieder fallen gelassen. Man hatte auch einen Gleichstrombetrieb bis Samedan vorgesehen. Aus Platzgründen verwarf man auch dieses Vorhaben wieder. 1980 entschloss sich die RhB den Bahnhof Pontresina als Stromsystemwechselpunkt zu behalten und dafür ein umschaltbares Gleis 3 in Betrieb zu nehmen. Die Fahrleitung dieses Gleises kann mit Wechsel- oder Gleichstrom gespeist werden und ermöglicht seitdem einen effizienteren Übergang von Rollmaterial zwischen Stammnetz und Berninalinie.

Am 28. Oktober 1980 wurde in Pontresina die neue Sicherungsanlage mit umschaltbarem Gleis 3 der Bauart INTEGRA Domino 69 in Betrieb genommen. Sie ersetzte eine einfache Signalanlage aus dem Jahre 1969.

Als wesentliche Neuerung war das für beide Spannungsarten umschaltbare und gegen Fahrten mit Fahrzeugen falscher Stromart gesicherte Gleis 3 zu bezeichnen. Die Fahrleitung von Gleis 3 kann den betrieblichen Bedürfnissen entsprechend auf 11 kV Wechselstrom oder 1 kV Gleichstrom Spannung geschaltet werden. In der Zeichnung über die Fahrleitungsanlage sind Fahrdrahtspannung aller Geleise und Standorte der Trennstellen und geerdeten Zwischenstücke aufgeführt.

Zum Schutze der Triebfahrzeuge gegen falsche Fahrdrahtspannung sind zwischen den Weichen 20 und 2 sowie 15 und 30 stromlose, geerdete Abschnitte eingebaut, die bei einer irrtümlichen Fahrt mit gehobenen Stromabnehmern von einem Strombereich in den andern Kurzschluss der Fahrleitung und Ausschaltung des Hauptschalters des Triebfahrzeuges bewirken. Ein weiterer Schutzabschnitt ist in Gleis 53 eingebaut. Bei eingeschalteter 11 kV Wechselstrom Spannung in Gleis 3 ist dieser Abschnitt ebenfalls stromlos und geerdet, bei Speisung von Gleis 3 mit 1 kV Gleichstrom wird der Abschnitt mit der gleichen Stromart unter Spannung gesetzt.

Abhängigkeiten zwischen Fahrleitungsschaltern und Weichen:

Die umschaltbare Fahrleitung für Gleis 3 ist in der Grundstellung ausgeschaltet.

Die in Gleis 3 liegenden Weichen 3 und 13 sowie die Schutzweichen 2a, 14, 15a und 21a können in Grundstellung uneingeschränkt umgesteuert werden.

Mit der Einschaltung von 11 kV Wechselstrom werden verschlossen:

  • Weiche 21a, Stellung rechts
  • Weiche 3, Stellung rechts
  • Weiche 13, Stellung links

Mit der Einschaltung von 1 kV Gleichstrom werden verschlossen:

  • Weiche 2a, Stellung links
  • Weiche 3, Stellung links
  • Weiche 13, Stellung rechts
  • Weiche 14, Stellung rechts

Zur Ein- resp. Umschaltung müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

A – Die Schutzweichen müssen frei sein oder sich in der richtigen Stellung befinden

B – Die Weichen 3 und 13 und die Isolierung von Gleis 3 müssen frei sein

Die Züge von St.Moritz und Samedan haben spätestens anzuhalten:

Gleis 1 vor Weiche 10

Gleis 2 vor Weiche 15

Gleis 3 aus Richtung Samedan grundsätzlich vor Weiche 13

Die mit Lok bespannten Züge dürfen die Weiche 13 mit der Lok befahren.

Um Fehlschaltungen zu vermeiden, sollen die Stromabnehmer von arbeitenden E-Loks im umschaltbaren Gleis 3 möglichst nicht gesenkt werden (kein Führerstandwechsel). Die geerdeten Abschnitte zwischen den Weichen 2 und 20 sowie 15 und 30 dürfen nicht mit elektrischen Triebfahrzeugen mit gehobenen Stromabnehmern befahren werden.

Bei langen Zügen in Gleis 3 mit Belegung des Vorabschnittes der isolierten Schiene der Weichen 3 bzw. 13 mit der Spitze resp. Der Weichen 3 bzw. 13 mit dem Schluss, ist zur Vornahme der Umschaltung folgendes Verfahren anzuwenden:

  1. Wegfahrt der Lokomotive
  2. Ausschaltung der Fahrleitung in Gleis 3
  3. Umsteuerung der vor dem Zug liegenden Weiche, bei Belegung der Vorschiene unter Verwendung der Taste „Umgehung Vorschiene“.
  4. Einschaltung der Fahrleitung in Gleis 3 mit der zutreffenden Spannung, wobei vorgängig folgende Tasten betätigt werden müssen:
  5. „Stromabnehmer Gleis 3 gesenkt“
  6. „FL-Schalter Schutzstellung Umgehung“

Sobald die Schutzweiche 3 oder 13 vom Zugschluss des wegfahrenden Zuges verlassen wird, stellt sie sich automatisch in die Schutzstellung.