Umbau Personenwagen

Vor dem Umbau

(Foto: Fabian Wild)

Ein Wesentlicher Teil des Umbaus beginnt bereits Monate bevor der Wagen in die Werkstatt rollt. Es wird genau geplant, wann und für wie lange der Wagen kommt, was genau gemacht wird, welche Abteilung wann ihre Arbeiten ausführt. Dabei wird mit der Disposition und Planung des rollenden Verkehrs kommuniziert und verhandelt. Da bei einem Umbau viele neue Komponenten eingebaut werden, müssen in vornherein schon technische Zeichnungen und elektrische Schemas gezeichnet werden, damit das Fahrzeug einem möglichst schnellen und speditiven Umbau erfährt. Was wie genau neu eingebaut wird, entscheiden die Ingenieure des technischen Büros und die Fachleiter der entsprechenden Abteilungen.

Der Umbau

EW I ohne Sitzpolster in der HW Landquart (Foto: Samuel Kier)

Wenn ein Fahrzeug in die Werkstatt kommt, findet als aller erstes eine Startsitzung statt. Bei dieser wird der Zustand des Fahrzeuges genau unter die Lupe genommen, und allfällige Schäden oder Mängel ebenfalls aufgenommen. So kann die zeitliche Planung entsprechend angepasst werden. Anschliessend folgt die Demontage. Die Drehgestelle werden ausgelassen und der Wagen wird auf sogenannte Hilfsdrehgestelle aufgebockt. Je nach Wagen und Zustand werden die Druckluft-, Vakuum- und die Stromversorgungsleitungen unterhalb des Wagenkastens ausgebaut. Alle Anbauteile an den Stirnfronten und Seitenwänden werden demontiert. Daneben auch die Einstiegs- und Übergangstüren mit Trittbrett und Faltenbalg. Im Innern des Wagens wird beinahe alles demontiert und ausgebaut. Sitze, Tische, Böden, Wände, Fenster, Decken, Gepäckablagen, Lampen und beinahe alles Elektrische wird ausgebaut. Die Teile werden anschliessend an die jeweiligen Abteilungen zur Aufarbeitung geschickt. Nun ist das Fahrzeug beinahe leer.  Die Drehgestelle werden während des Aufenthaltes des Wagens in der Werkstatt demontiert, gereinigt, neu gemalt und wieder zusammengebaut. Es werden frische Achsen verbaut. Die Vakuum-Schnellbremsventile werden revidiert und neu zusammengebaut. Faltenbälge werden überholt und teilweise repariert. Türen erhalten neue Dichtungen. Alle Holzteile werden frisch lackiert. Gewisse Anbauteile werden neu gemalt und foliert. Das elektrische Haupttableau wird komplett auseinandergenommen und neu aufgebaut. Kleine Klemmentableaus werden für den Einbau vorbereitet. Werden nun grössere Veränderungen am Wagenkasten vorgenommen, so kommt das Fahrzeug in die Konstruktionsschlosserei. Dort werden vor allem Schweissarbeiten ausgeführt. Danach folgt die neue Grundierung in der Malerei. Der Wagen wird komplett abgeschliffen und neu bemalt und foliert.

EW IV in der HW Landquart (Foto: Samuel Kier)

Der Innenausbau kann nun erfolgen. Schreiner beginnen, Fenster, Wände und Decken wieder einzubauen. Elektriker ziehen die Leitungen ein, montieren neue Komponenten und verdrahten das neue Haupttableau. Softwares werden in verschiedene Geräte geladen. Mechaniker montieren alle Türen, Druckluft- und Vakuumleitungen sowie alle Anbauteile an den Stirnwänden. Die revidierten Drehgestelle werden wieder eingebaut.

Nach dem Umbau

Nach dem Umbau folgen viele Prüfungen und Tests. Alle elektrischen Leitungen werden ausgeläutet und anschliessend der Reihe nach jede einzelne Funktion überprüft. Die Stromversorgungsleitung wird mit dem zehnfachen der normalen Betriebsspannung getestet. Bei den Zugbus-Leitungen wird ihre Dämpfung gemessen. Alle Softwares werden genau ausgetestet. Druckluft- und Vakuumleitungen werden auf Dichtheit und Funktion geprüft. Auf einem Prüfstand wird die Radlastmessung durchgeführt, welche die Gewichtsverteilung auf die einzelnen Räder misst. Nach erfolgreichen Tests in der Werkstatt folgt der Praxistest. Das Fahrzeug wird für den Verkehr freigegeben, aber über eine bestimmte Zeit beobachtet und verfolgt. Werden Fehler oder Störungen, welche nicht denen des normalen Betriebs entsprechen gemeldet, so wird am Fahrzeug eine Anpassung oder eine Nacharbeit vorgenommen. So wird das Fahrzeug nochmals in die Werkstätte genommen und die Pendenzen werden abgearbeitet.

(Foto: Hansruedi Burkhalter)

(Text: Samuel Kier, Lernender Automatiker HW Landquart)