Schwertransportwagen

Vor 1956 standen der RhB für Schwertransporte zwei Rollschemel (OR6 8301 und 8302) und zwei Tiefgangwagen (OT6 8251 und OT 8252) zur Verfügung. Der OR6 8301 war meistens mit einem Podest zum Transport von Raupenfahrzeugen, wie Bagger und Trax, ausgerüstet. Von Schwertransporten konnte bei den Tragfähigkeiten, die die vier Wagen aufwiesen, nicht gesprochen werden. In alten Rollmaterialverzeichnissen hiess der OT 8252 auch Möbelwagen. Er konnte zum Transport von LKWs mit Möbeln verwendet werden. Die Strassen im Kanton und vor allem über die Alpenpässe waren nicht für hohe Lasten zugelassen, sodass die RhB auf ihren Linien die Hauptlast im Güterverkehr trug. Mit dem Ausbau der Kraftwerkzentralen Mitte der Fünfzigerjahre, mussten schwere Transformatoren befördert werden. Zunächst mussten alle Stahlbrücken verstärkt werden, in erster Linie die beiden Fachwerkbrücken über den Hinterrhein in Reichenau-Tamins und in Thusis.

Die Transformatoren der Kraftwerkzentralen Sils im Domleschg und Tavanasa mussten so gebaut werden, dass sie auf einer Brücke vom Hersteller bis ins Werk befördert werden konnten. Zuständig für den Transport war die Firma A. Welti-Furrer in Zürich. Zusammen mit den SBB und dem technischen Büro der RhB entwickelte sie eine Transportbrücke, welche jeweils für den entsprechenden Verkehrsträger andere Drehgestelle erhielt. Um den maximalen Achsdruck von damals elf Tonnen nicht zu überschreiten, mussten der Transportbrücke auf den RhB-Strecken zwölf Achsen untersetzt werden. Dies ergibt ein Gesamtgewicht Brutto von 132 t. Nach Verstärken der Brücken und Ausführung der vier dreiachsigen Drehgestelle mit besonders kräftigen Achsschenkeln, konnte der Achsdruck für diesen Wagen auf 13.6 t erhöht werden. Somit war die Ausführung der Transformatoren mit Netto 93 t möglich. Das Gewicht der Hauptbrücke belief sich auf 31.3 t. Auf der Normalspur konnten zwei vierachsige Drehgestelle untersetzt werden und auf der Meterspur je zwei dreiachsige Drehgestelle, verbunden mit einer Zwischenbrücke. Die Drehgestelle und Zwischenbrücken sind heute noch mit Uaa-z 8251 angeschrieben. Die vier neuen, dreiachsigen Drehgestelle hiessen 8251 I–IV. Aus dem alten OT6 8251 entstand dann der fahrbare Gleichrichterwagen X4 9020. Dieser war so gebaut, dass er auf allen drei Gleichstromlinien hätte eingesetzt werden können. Zuerst kam er ins Misox, nach Lostallo, abgestellt auf Betonsockel. Die beiden Drehgestelle dienten somit nur zur Überfuhr als X 9020. Diese sind dann auch als 8251 V und VI bezeichnet worden und konnten ebenfalls unter der Brücke des 8251 sowie SBB-, MFO und AWF-Brücken untersetzt werden. In den Sechzigerjahren waren diverse gleichzeitige Transporte im Unterengadin und im Misox. Um ein Hin- und Herschieben der Drehgestelle zu vermeiden, sind zu den Bogie V und VI noch je eine Schleppachse beschafft worden, sodass im Misox auch sechsachsige Schwertransportwagen verkehren konnten.

Zur Beförderung gelangten nebst Transformatoren auch grosse Bobinen mit Kabel für die neuen Seilbahnen im Kanton. Anfänglich musste mit ausgeschalteter Fahrleitung gefahren werden, da die Ladung sich zu sehr näherte. Die Gasbelästigung der Dampflokomotiven für die Begleitmannschaft auf dem Schwertransportwagen war so gross, dass das TB entschied, die Ladung mit Gummimatten abzudecken und elektrisch zu fahren. Es sind deswegen nie Unfälle passiert. Heute existiert nur noch der Uaa-z 8251 mit seinen vier vierachsigen und zwei zweiachsigen Drehgestellen und den beiden Zwischenbrücken. Sie werden so gut wie nie eingesetzt. Die Schwertransporte auf der Schiene sind nach Einführung der 40 t auf den Strassen völlig unbedeutend geworden.

Im Jahre 1989 waren für einen Transformatorentransport Genf-Innertkirchen die RhB-Schwertransport-Drehgestelle an die MIB ausgeliehen worden. In Interlaken Ost wurde die Ladung von 100 t netto samt Tragrahmen mit hydraulischen Pressen leicht angehoben, um auf dem Dreischienengleis die SBB-Drehgestelle durch vier dreiachsige Meterspur-Drehgestelle der Rhätischen Bahn zu ersetzen.

Der OT 8251 war im Oktober 1962 bei der MOB für Kraftwerkstransporte im Einsatz und am 4. August 1982 wurde mit dem Wagen 8251 eine Kabelbobine von Visp nach Zermatt befördert.

 Werkfotos

Fahrzeugfotos

Typenskizzen, Zeichnungen, Schemata

(Quellen: Rhätische Bahn AG, Archiv RhB, RhB-Nachrichten, Info Retica, SBB-Nachrichtenblätter)

(sonstige Quellen: Franz Skvor, Gian Brüngger)