Rettungsfahrzeuge – Teil 1

Bei Unfällen und anderen Schadenereignissen ist es, insbesondere in Tunnels, wichtig, mit Einsatzkräften sehr rasch «vor Ort» zu sein. Deshalb hat die RhB in Ergänzung zu den zwei bestehenden Lösch- und Rettungszügen bei der Firma Tony Brändle AG, Sirnach, im Mai 2006 je zwei Zweiweg-Lösch- und Rettungsfahrzeuge bestellt. Mit diesen Fahrzeugen wird die Interventionszeit im Vereina-, Zugwald- und Albula-Tunnel sowie in den längeren Tunnels im Engadin (Tasna, Magnacun) verkürzt und damit die Sicherheit unserer Bahnkunden weiter erhöht. Die Fahrzeuge sind Eigentum der RhB, werden jedoch gemäss Vereinbarung den folgenden Stützpunkt-Feuerwehren zugeteilt und können von diesen Feuerwehren eingesetzt werden. Die RhB-Einsätze haben aber immer erste Priorität. Der Lösch- und Rettungszug Nord bleibt in Selfranga (Vereinatunnel), der Lösch- und Rettungszug Süd wird von Susch nach Samedan umstationiert. Die neuen Zweiweg-Fahrzeuge werden, auch bei RhB-Einsätzen, durch die Feuerwehrleute der Stützpunktfeuerwehren gefahren und bedient, wobei diese bei Schieneneinsätzen von fahrdienstlich ausgebildeten Mitarbeitern der RhB begleitet werden. Für die Wartung, Pflege und Reparaturen der feuerwehrtechnischen Ausrüstung sowie die einfachen Parkdienste an den Fahrzeugen sind die entsprechenden Feuerwehren zuständig. Für die Instandhaltung der Fahrzeuge und die Schienenantriebe ist die RhB verantwortlich. Die vier Fahrzeuge wurden im Juli 2007 abgeliefert und in Betrieb gesetzt. Im August wurden die Fahrzeuge noch durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) geprüft und zugelassen. Allgemeine Beschreibung (für TLF und RW gültig):

Alle vier Fahrzeuge basieren auf den gleichen bewährten 2-Achs-Lastwagenchassis Fabrikat MAN mit 4-Rad-Antrieb mit Einfachbereifung und mit einer 3-plätzigen Fahrerkabine. Die

bei den Fahrzeugtypen unterscheiden sich nur durch ihre unterschiedlichen Aufbauten. Die von den Pneurädern unabhängige Schienenfahreinrichtung der Firma Schörling Brock

GmbH ist ebenfalls bei allen vier Fahrzeugen identisch. Diese besteht aus zwei hydraulisch absenkbaren Schienenradsätzen mit hydrostatischem Einzelradantrieb, Beharrungs- und

Betriebsbremse sowie einer Federspeicher-Lamellenbremse als Feststellbremse. Die Zweiweg-Fahrzeuge lassen sich sehr rasch ein- und ausgleisen und sind auch im Schienenbetrieb sehr einfach zu bedienen.

Aufbau TLF (Tanklöschfahrzeug):

Das Aufbau-Gerippe in Leichtbauweise ist im Baukastensystem ausgeführt. Die ausklappbaren 2-stufigen Tritte links und rechts ermöglichen einen guten Zugang zu den Geräten sowohl im Tunnel, als auch «ab Schotterbett».

Feuerwehrausrüstung:

– Wassernebel-Hochdruck-Kompakt-Löschanlage betrieben über ein separates Diesel-Aggregat Druck: 80-140 bar, Wasserverbrauch: 25-40 l/min, Wurfweite: 5-12 m
– Schnellangriffshaspel mit 100 m Schlauch und Mehrzweck-Pistolenstrahlrohr
– Wassertank 1000 l
– Schlauchmaterial, Feuerlöscher, Löschdecken
– 3 Atemschutzgeräte
– Stromerzeuger 6,3 / 4,5 KVA, 400 / 230 V
– Rettungsschere, Spreizer und Hebekissen 20 t mit den zugehörigen Aggregaten
– Flutscheinwerfer, Lüfter, diverses Werkzeug
– Mobile Leiter (auf Dach).

Aufbau RW (Rettungswagen):

Der Kastenunterbau besteht aus Alu-Profilen, der Aufbau selbst aus Kunststoff mit beidseitigen Schiebefenstern und Klappsitzbank links und rechts für je fünf Passagiere.

Im vorderen Teil ist ein 300 l-Wassertank mit Kompaktlöschanlage und 80m-Hapsel untergebracht. Der Zugang in den Wagen erfolgt über seitliche Scherenauszugstreppen und

Türen links und rechts oder über die Hebebühne hinten. Diese bildet die ganze Rückwand und kann bis auf die Schienen abgesenkt werden. Zur Grundausrüstung der Rettungswagen gehören u.a.

– Feuerlöscher, Rettungshauben, Sanitätskoffer
– Tragbahren, Bergungstuch
– Löschdecken, Wolldecken, Zelttücher, etc.

(Quelle: Rhätische Bahn AG, Info-Retica 3. Ausgabe, September 2007)