Liechtensteiner RhB-Anschluss

Eine eher weniger bekannte mögliche Erweiterung des RhB-Netzes ist die 1905 projektierte Schmalspurbahn von Landquart nach Schaan. Die Bahn sollte von Landquart über Maienfeld und Bad Ragaz nach Schaan verlaufen. Damaliger Direktor der Rhätischen Bahn, Achilles Schucan, stellte sich dem Projekt positiv gegenüber und konnte sich eine Realisierung vorstellen. Auch eine Übernahme im Pachtverhältnis wäre denkbar gewesen. Gegner des Vorhabens war die SBB, die bedenken hatte, dass die Strecke Chur – Sargans – Buchs SG an die Arlbergbahn zur Konkurrenz werden konnte. Bis in die 1920er wurde dieses Projekt mehrmals wieder aufgegriffen.

Wir entnehmen folgende Ausschnitte aus der Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung vom 19. November 1907:

Für den Personenverkehr würde also eine neue Verbindung geschaffen, welche den Linien der Bundesbahnen gegenüber durchaus konkurrenzfähig wäre. Die Entfernungen sind, für gewisse Relationen überhaupt kürzer, für andere durchaus zur Aufnahme des Wettbewerbs befähigt. Der Spurwechsel von Normalspur auf Schmalspur und umgekehrt bildet im vorliegenden Falle kein Hindernis, da dieser Wechsel bei Fortsetzung der Reise aus Österreich nach der Rhätischen Bahn sowieso einmal eintreten muss, sei es in Chur oder in Schaan oder (bei Verlängerung der Schmalspur, welche in kürzerer Zeit notwendig kommen wird) in Feldkirch.

Der Umstand, dass die fragliche Bahn als Schmalspurbahn projektiert ist, bildet kein wesentliches Hindernis ihrer Konkurrenzfähigkeit. Die Rhätische Bahn ist ein glänzendes Beispiel, was eine Schmalspurbahn leisten kann. Bei zweckmässiger Wahl des Tracés lässt sich eine durchaus konkurrenzfähige Zugsgeschwindigkeit erreichen. Die Anwendung des projektierten elektrischen Betriebes kann auch in dieser Richtung nur vorteilhaft wirken. Es wäre somit eine gleichwertige Verbindung von der Arlbergbahn einerseits und vom Bodensee anderseits (Süddeutschland und weiter) nach Chur und weiter zu schaffen.

Bei Taxgleichheit, – und diese würde ja sicher hergestellt -, wird der vom Ausland herkommende Reisende, der nach Ragaz, Landquart, Davos, St.Moritz etc. will, unzweifelhaft die direkten Wagen der Rhätischen Bahn benützen, welche Verwaltung solche Wagen wohl schon vor der Betriebseröffnung an in Schaan bereit stellen würde; ebenso in umgekehrter Richtung. Alle internationalen Schnellzüge würde ab Schaan anhalten müssen, die Rhätische Bahn würde ab Schaan ebenfalls Schnellzüge einlegen oder die Schmalspur würde österreicherischerseits nach dem Knotenpunkt Feldkirch fortgesetzt. Nichts hindert, die elektrische Schmalspurbahn von Anfang an so zu bauen, dass bedeutende Fahrgeschwindigkeiten erreicht werden können.

Güterverkehr Distanzverhältnisse:

Nach dem Konzessionsgesuch kommen auf der neuen Linie ab Schaan folgende Distanzen in Betracht:

Hiernach ist die neue Linie via Fläsch ab Schaan durchwegs kürzer als die alte via Buchs, auch dann, wenn die Distanzen nicht direkt über das in Aussicht genommene Verbindungsgeleise Fläsch-Maienfeld, sondern über die Abzweigung nach Ragaz berechnet werden.

Das erschlossene Gebiet:

Von diesen Ortschaften liegen heute schon Schaan, Ragaz, Maienfeld und Landquart direkt an der Eisenbahn; etwas weiter entfernt sind die andern; die Distanzen sind aber nicht sehr gross: für Vaduz von Schaan 3 km., für Balzers von Trübbach 3 km,. für Fläsch und Jenis von Maienfeld ebenfalls zirka 3 km. Eine grössere Entfernung von der Eisenbahnstation besteht nur für Triesen, d.h. zirka 7 km. von Schaan oder Sevelen. Es kann also nicht gesagt werden, dass die Linie Schaan-Landquart tatsächlich neues Gebiet erschliesse; sie bringt wohl einige Gemeinden der Eisenbahn etwas näher, darunter sind aber keine bedeutenden auf schweizerischem Gebiet, einzig Fläsch mit 383 Einwohner.

Interessanteste Bedingungen:

Art. 3

Der Sitz der Gesellschaft ist in Chur

Art. 6

Binnen 2 Jahren, vom Beginn der Erdarbeiten an gerechnet, ist die ganze konzessionierte Linie zu vollenden und dem Betrieb zu übergeben.

Art. 8

Die Bahn wird mit Spurweite von 1 Meter und eingleisig erstellt und mittels Elektrizität oder Dampf betrieben.

Art. 13

Die Beförderung von Personen soll täglich mindestens 4mal nach beiden Richtungen, von einem Endpunkt der Bahn zum andern und mit Anhalten auf allen Stationen, erfolgen. Auf der Station Ragaz haben auch bei einer allfälligen Zugsvermehrung alle Züge, welche Personen befördern, anzuhalten.

Die Fahrgeschwindigkeit der Züge wird vom Bundesrat festgesetzt.

Art. 14

Die Gesellschaft wird zur Personenbeförderung Wagen II. und III. Klasse nach dem Durchgangsystem aufstellen. In der Regel sind allen Personenzügen Wagen beider Klassen beizugeben; Ausnahmen kann nur der Bundesrat gewähren. Der Bundesrat kann die Einführung der ersten Klasse gestatten.

Art. 15

Für die Beförderung von Personen können Taxen bis auf den Betrag folgender Ansätze bezogen werden: in der zweiten Wagenklasse 12 Rappen, in der dritten Wagenklasse 6 Rappen per Kilometer der Bahnlänge.

Dieses Projekt würde eine rationelle Lösung bringen. Das Hauptinteresse von Ragaz besteht darin, durch eine Schmalspurbahn mit der Rhätischen Bahn in Landquart in Verbindung gebracht zu werden, wodurch eine direkte Verbindung zwischen Ragaz und den Kurorten des Kantons Graubünden geschaffen wird. Gegen eine Schmalspurbahn Ragaz-Maienfeld-Landquart würde auch die Generaldirektion der schweizerischen Bundesbahnen keinen Widerspruch erheben, da der aus dieser Konkurrenzlinie ihnen erwachsende Ausfall nicht von erheblichem Belang sein würde.

(Quelle: Rhätische Bahn AG, Archiv RhB, Schweizerische Bundesbahnen, Bundesbeschlüsse und Botschaften)