Rettungsfahrzeuge – Teil 2

Als 1988 der Bau des Vereinatunnels beschlossen wurde, erhielt die RhB aus der Störfallverordnung heraus auch den Auftrag ein Sicherheitspositiv zu entwickeln. Dazu wurde seitens der RhB in Zusammenarbeit mit externen Stellen (z.B. Feuerwehrpolizeiamt Graubünden, Schweizerische Bundesbahnen) ein Sicherheits- und Rettungskonzept für den Vereinatunnel erarbeitet.

Massnahmen im Rahmen des Projekts:

Als Abschlepp- und Rettungsfahrzeug wird ein Traktor vorgesehen, wie er heute für den Baudienst der RhB vorhanden ist. Dieses Fahrzeug wird in Klosters Selfranga stationiert. Ein eigentlicher Tunnellöschzug, wie die SBB eine Reihe davon besitzen, muss aus einem Wassertankwagen sowie einem Löschwagen mit Schaumextrakttank, Atemluftanlage für Rettungsarbeiten und Werkzeugen bestehen und mit einem Traktor bespannt werden können. Dieser Zug muss sehr rasch einsetzbar sein und mit einer geschulten Equipe besetzt werden. Dies bedeutet, dass der Zug in nächster Nähe einer wahrscheinlichen Unfallstelle stationiert sein soll und am selben Ort eine Mannschaft rasch verfügbar ist. Neben des in der Regel starken natürlichen Luftzuges im Vereinatunnel von Klosters Selfranga nach Susch-Lavin muss der Standort des Löschzuges auf der Seite Klosters sein. Das Depot Landquart ist zu weit entfernt, und in Klosters steht bahnseits keine Mannschaft zur Verfügung. Als praktikable und wirtschaftlich vertretbare Lösung ist für den Rettungsdienst eine enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Klosters vorzusehen. In Klosters Selfranga werden auch zu jeder Zeit Autotransportwagen verfügbar sein, mit welchen Fahrzeuge der Feuerwehr rasch zur Unfallstelle gebracht werden können. Spezielle Einrichtungen für Tunneleinsätze müssen im Bahnhof Klosters Selfranga vorgesehen werden oder wenn möglich auf dem Traktor, der für das Ziehen der Löschfahrzeuge vorhanden ist, fest montiert sein. Zur Information der Autoinsassen und zur Einleitung von Rettungsmassnahmen bei Notfällen im Tunnel kann die Leitstelle das im Tunnel ausgestrahlte Radioprogramm unterbrechen und entsprechende Durchsagen vornehmen. Die Kreuzungsstation Vereina wird mit einer Beleuchtung ausgerüstet.

Wichtige Bestandteile des Rettungskonzeptes sind die zwei Lösch- und Rettungszüge, welche am Nordportal in Selfranga und am Südportal in Susch stationiert sind. Darüber hinaus umfasst dieses Konzept folgende Punkte:

– Neues Notrufsystem in den Reiszügen
– Ausrüstung der Steuerwagen mit Handlampen und Feuerlöschern
– Ausrüstung des Tunnels mit Fluchtwegbeleuchtung (neu nach den Brandkatastrophen in Frankreich und Österreich)

Formation:

Die Züge bestehen aus folgenden Elementen:

– Diesellok
– Sanitätswagen
– Gerätewagen
– Wassertankwagen

Die Züge sind dabei so formiert, dass der Tankwagen immer Richtung Tunnelportal steht. Im Einsatzfall, wird der Zug von der Diesellok in den Tunnel geschoben. Als Diesellok kommen die Gmf 4/4 242 – 243, ausnahmsweise auch die Traktoren des Typs Tmf zum Einsatz. Dabei dürfen die Motoren der Lok im Tunnel nie abgestellt werden, da sonst die Abfahrbereitschaft nicht mehr gewährleistet ist (Sauerstoffmangel).

Gerätewagen Xak 9381 und 9382:

Die Gerätewagen wurden bei der RhB aus den Postwagen Z 77 und Z 78 umgebaut. Der Umbau umfasste im wesentlichen folgende Punkte:

– Revision der Drehgestelle
– Vergrössern der Plattform Seite Handbremse durch Versetzen der Stirnwand
– Verstärkung des Daches zur Aufnahme von 30 Atemluftflaschen
– Einbau von Materialkästen auf der Unterseite des Wagenkasten
– Anpassung der Bremse ans neue Gewicht

Der Gerätewagen ist mit einem eigenen Generator von 13 kVA Leistung zur Erzeugung der Energie für den Geräte- und den Wassertankwagen ausgestattet. Im Innern des Gerätewagen sind Traggestelle montiert in denen das Lösch-, Pionier- und Ölwehrmaterial aufbewahrt wird. Um schwere Lasten in und aus dem Wagen zu befördern ist auf der Plattform beidseitig ein Schwenkkran montiert. Auf dem Dach sind 30 Atemluftflaschen mit einem Gesamtvolumen von 450‘000 l montiert.

Sanitätswagen Xak 9383 und 9384:

Wie die Gerätewagen wurden auch die Sanitätswagen bei der RhB umgebaut. Die Grundfahrzeuge waren dabei die Postwagen Z 79 und 80. Der Umbau umfasste die gleichen Punkte wie bei den Gerätewagen, ausser, dass die seitlichen Schiebetore bei den Sanitätswagen verschlossen wurden. Mit der zusätzlich vorhandenen Drucktüre, kann im Innern der Sanitätswagen ein Überdruck aufgebaut werden, welcher verhindert, dass Rauch und Gase ins Wageninnere eintreten können. Auch die Sanitätswagen verfügen über einen eigenen kleinen Generator von 2.5 kVA Leistung zur Eigenversorgung. Die Inneneinrichtung besteht aus Wandregalen, Gepäckträgern, Sitzbank und Tragbahrengestellen. Im Innern bietet der Sanitätswagen Platz für ca. 50 Personen, welche dann zusammen mit der Diesellok im Pendelbetrieb aus dem Tunnel evakuiert werden können. Wie auch beim Gerätewagen, sind auch beim Sanitätswagen auf dem Dach 30 Atemluftflaschen montiert. Die Atemluft- und die elektrischen Bordnetze der Geräte- und Sanitätswagen können gekoppelt werden, damit steigt die fest installierte Atemluftmenge auf ca. 900‘000 l an.

Wassertankwagen Xah-y 9385 und 9386:

Die Wassertankwagen wurden bei Josef Meyer AG, Rheinfelden aus den Uahr 8170 und 8171 umgebaut. Der Umbau umfasste im wesentlichen folgende Teile:

– Revision der Drehgestelle
– Verlängern der Plattform Seite Handbremse und Anbau von zwei Haltern für Motorspritzen auf der anderen Seite
– Anbringen von zwei Schutzdächern bei den Plattformen
– Einbau einer Tankheizung und Isolierung des Kessels
– Anpassen der Bremse an die neuen Gegebenheiten

Der Wassertankwagen hat ein Wasservolumen von 30 m3 (30‘000 l). Mit zwei am Fahrzeugheck montierten Dieselmotorspritzen wird das Wasser durch die seitlich am Fahrzeug geführten Druckleitungen zum Schnellangriffshaspel (50 m) sowie den Schlauchanschlüssen an der Spitze des Fahrzeuges geführt. Die Tankheizung dient dazu, dass der Zug auch im Winter im Freien aufgestellt werden kann. Sie hält das Wasser auf einer Temperatur von 5°C. Die Heizung ist nur in Betrieb, wenn der Zug stationär elektrisch versorgt wird. Sobald der Gerätewagen für die Versorgung zuständig ist, schaltet sich die Heizung automatisch ab.

Mannschaft und Einsatz:

Jedem Lösch- und Rettungszug sind ca. 45 Personen der örtlichen Feuerwehren zugeteilt. Die Besatzung eines Zuges setzt sich aus 13 Feuerwehrleuten, dem Rangierlokführer und dem Rangierarbeiter der RhB zusammen. Obwohl die RhB Mitarbeiter primär einen Transport- und Sicherheitsauftrag haben, sind sie trotzdem als Feuerwehrmann ausgebildet worden. Die Ereignismeldung erfolgt durch den Lokführer an die Zugleitstelle Klosters, welche den Alarm über die Notruf- und Einsatzzentrale der Kantonspolizei auslöst. Ebenfalls löst ein Brand in den Technikräumen der Mittelstation automatisch einen Brandalarm aus. Sämtliche Feuerwehrleute werden danach über ihren persönlichen Pager aufgeboten. Sobald 15 Feuerwehrleute beim Lösch- und Rettungszug sind, fährt dieser ab. Diese Zahl wird durch die Atemschutzgeräte, die sich auf dem Zug befinden gegeben. Davon ausgenommen sind Evakuationen im Tunnel ohne Rauch. Die restlichen Feuerwehrleute dienen als Unterstützung beim Tunnelportal oder als Ablösung. Im Alarmfall kann zudem der Zugfunk im Tunnel auf Notbetrieb gestellt werden. Dadurch aktiviert sich ein strahlendes Kabel. Damit kann mit einem Handfunkgerät der Feuerwehr direkt eine Verbindung mit der Zugleitstelle Klosters aufgenommen werden. Somit steht der RhB ein zweckdienliches Mittel zur Ereignisbekämpfung im Vereinatunnel zur Verfügung. Dennoch ist zu hoffen, dass die Züge wenig wie möglich zum Einsatz kommen werden.

Bilder des Zuges:

(Quellen: Lökeli-Journal, 2. Ausgabe 2001, Vereinalinie generelles Projekt technischer Bericht)